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16. Juli 2008

Gold fuer Deutschland - Anne Straube wird Weltmeisterin im Trail-O!

Der zweite Wettkampftag der Trail-O Weltmeisterschaften im tschechischen Olomouc versprach diesmal auch aus deutscher Sicht spannend zu werden. Nach einem sehr erfolgreichen ersten Tag (siehe hier) ging Anne Straube in Fuehrung liegend mit einem Punkt Vorsprung in die zweite Runde.



Die Wettkaempfer erwartete eine Trail-O-Premiere: Das Wettkampfgelaende war ein Golfplatz! Das bedeutete sanft geschwungene Hoehenkurven und beinahe unbegrenzte Sicht. Auf eine Strecke von 2,6 km waren erneut 16 Postenstandorte zu begutachten plus 3 Zeitkontrollen fuer den schnellen Nervenkitzel. Da es kaum Wege auf dem Golfplatz gab, fand der Trail-O diesmal nicht auf Wegen statt - die Organisatoren hatten stattdessen Gassen auf dem Rasen markiert, die begangen/-rollt werden durften. Da das fuer Rollstuhlfahrer eine recht kraftraubende Angelegenheit war, wurde die erlaubte Maximalzeit auf 130 min fuer Fussgaenger und 142 min fuer Rollstuehlfahrer festgelegt. Die Markierungen erlaubten selten einem Postenschirm naeher als 50m zu kommen und um einen Postenstandort von mehreren Seiten zu betrachten, bedurfte es recht langer Wege. siehe Karte und Loesungen hier

Die Startreihenfolge am zweiten Tag war die Ergebnisliste vom ersten Tag rueckwaerts. Anne musste also mit Startnummer 95 auf dem Bauch 3 Stunden lang im Clubhaus in Quarantaene sitzen und versuchen, nicht allzu nervoes zu werden und hatte dafuer spaeter fast alle Postenstandorte fuer sich allein.

Hier ihr Lauf:
Als letzte gehe ich 13:08 in der besten Mittagshitze auf die Strecke. Kurz vorher die Haare unter den Wasserhahn gehalten zu haben, soll mir einen kuehlen Kopf fuer die ersten beiden Zeitkontrollen bescheren, die gleich nach dem Start warten. Die zweite Zeitkontrolle ist etwas gemein - die Senke innerhalb eines Sandbunkers gilt es richtig zu erkennen - das gelingt weniger als der Haelfte aller Wettkaempfer. Ich nehme mir genuegend Zeit fuer beide Kontrollen und bin ueberzeugt, sie richtig geloest zu haben. Die erste Huerde ist damit geschafft. Aber nun wird es schwierig. Die ersten beiden Posten sind Taelchen. Ich laufe endlose Male die Wege auf und ab, um einen guten Blick auf die sanften Hoehenformen zu bekommen und zu erraten, wo die Hoehenlinie gemalt ist. An Posten 2 hadere ich lange mit mir um die richtige Loesung und entscheide mich dann doch fuer den falschen Posten. Den Hang hinaufsehend ist es schwierig zu erkennen, wie die Hoehenlinien verlaufen und ich kann den kleinen Huegel nicht als solchen erkennen. Posten 3 und 4 gehen wieder besser. Hier hole ich Antti und Lennart ein, ich sehe beide Loesungen fast sofort und kann wieder etwas Zeit aufholen - Huegel zuzuordnen liegt mir deutlich mehr als Taelchen abzuschaetzen.
Posten 5 liegt zwischen 2 Baumgruppen und ich brauche eine Weile zu begreifen, wie ich den Posten aus den scheinbar unguenstigen Postitionen, die mir zur Verfuegung stehen, loesen soll. Sobald ich aber sehe, welcher Baum aus jeder Gruppe die kuerzeste Verbindung darstellt, ist das auch erledigt. Ich habe bisher 40 min gebraucht und bin damit genau im Plan. Auf dem Weg zu Posten 6 werde ich von der dritten Zeitkontrolle ueberrascht. Die Loesung ist einfach, aber ich verbringe eine endlose Zeit nach dem Trick zu suchen, der nicht da ist, so dass ich erst nach der 50 sec Warnung antworte. Aber immerhin bin ich mir sicher, dass die Zeitkontrolle richtig geloest ist. Posten 6 ist kniffelig, ich finde eine schoene Sichtlinie von Zaunende zu einer Gebaeudeecke direkt hinter dem Postenstandort und komme auf C. Gesucht ist aber der Rand der Senke und C steht zu tief, wahrscheinlich drin. Ich laufe mehr als 10 min hin- und her, um mehr von der Senke zu sehen und andere Sichtlinien auszuprobieren. Strommast und Hauswand geben mir endlich eine Linie, die durch einen Posten am Rand der Senke fuehrt, ich nehme also D, was sich spaeter als richtig herausstellt. Posten 7 ist wieder ein Huegel, aber der ist bei der Vegetation nicht sicher zu erkennen. Ich loese das Problem aber relativ einfach, in dem ich die Laenge des Baumbestandes messe und Posten A steht nach 2/3 der Laenge. Posten 8 ist eine Senke, die mir keine Schwierigkeiten bereitet, aber das Taelchen an Posten 9 zehrt wieder an den Nerven. Ich entscheide mich frueh fuer Posten A, finde dann aber wunderschoene Sichtlinien im rechten Winkel zu den aufgestellten Posten, die eindeutig auf Posten B zeigen. Am Ende glaube ich meinem Hoehenlinienverfolgungssinn und bleibe bei A - und das war richtig so. Posten 10 ist ein schnell loesbares Z und Posten 11 laesst sich relativ problemlos durch den direkt im Norden dahinterliegenden Busch bestimmen. Posten 12, eine kleine Nase neben einem Sandbunker kostet auch nicht viele Nerven. Posten 13 ist etwas ungewoehlich, nur zwei Postenschirme stehen auf einen langgestreckten Nase. Aus 60m Entfernung und von unten laesst sich deren Anfang und Ende nur schwerlich erkennen, eine Sichtlinie durch eine Gruppe kleiner Kiefern, ueberzeugt mich dann aber von B als richtigem Posten. Posten 14 ist aus 130m Entfernung zu begutachten, es kommt aber nur eine Loesung in Frage. Nervoes werde ich erst wieder an Posten 15. Von meinen verbleibenden 23 min brauche ich sehr viel. Das gesuchte Taelchen liegt an der Rueckseite eines langestreckten Huegels, der sich nicht so richtig sicher bestimmen laesst. Ich versuche es also wieder mit Sichtlinien. Es sind unzaehlige Baeume und Buesche hinter mir und verschiedenste Baumgruppen hinter dem Posten, die alle dazu genutzt werden koennen, aber die verschiedensten Resultate liefern. Ich versuche also meine vagen Vorstellungen des Huegels dazu zu nutzen, die verlaesslichsten Objekte fuer Sichtlinien zu bestimmen. Am Ende entscheide ich mich fuer den richtigen Posten, wirklich sicher, bin ich mir aber nicht. Ich habe nun noch 8 Minuten. Es sind 400m bis ins Ziel, bergauf, und es wartet noch ein Posten. Ich bin ganz schoen fertig - Trail-O ist anstrengender als man denken mag. Posten 16 ist ein markanter Baum, der irgendwo im Unterbewuchs stehen soll. Die Position von Posten A und D laesst sich schnell zuordnen, aber die Baeume an denen B und C stehen, sehen mir beide nicht sonderlich markant aus. Koennte ein Z sein, ich habe bisher erst 2. Ich laufe noch ein bisschen hin und her, um vielleicht doch noch den richtigen Baum zu erspaehen, kann aber in dem dunklen Bewuchs in 70m Entfernung, keinen dicken Stamm erkennen, eine auffaellige Krone ist auch nicht da. Ich habe nicht mehr viel Zeit, so ueberpruefe ich schnell ob Posten C, der etwa die richtige Entfernung von D hat, auch in der richtigen Richtung von dort liegt, und nehme C. Dann renne ich zum Ziel - es sind noch fast 3 min, aber zu spaet kommen, wird mit Punktabzug bestraft, da gehe ich also besser kein Risiko ein.
Am Ende habe ich 17 Punkte (Fehler an Posten 2 und 16, der letzte war doch ein Z), es kommen also nicht viele in Frage, die in der Gesamtwertung besser abgeschnitten haben koennen. Ich befrage die Finnen, die nach dem ersten Tag auf Platz 2 und 4 gelegen haben, beide haben mit 15 bzw. 17 Punkten nicht genug, um mich zu ueberholen. Bleibt nur noch der Schwede Martin Fredholm. Nach ein paar Minuten erscheint sein Ergebnis an der Anzeigetafel: 36 Punkte, die habe ich auch. Seine Zeit: 225 Sekunden - diese beinhaltet zweimal 60 sec Strafe fuer falsche Zeitkontrollen. Ich fange an zu rechnen. Ich erinnere mich nicht genau an meine Zeiten, denke aber, dass ich nicht viel ueber 200 Sekunden liegen kann, zum Glueck hatte ich nur bei der letzten Zeitkontrolle so gebummelt. Ein paar Minuten spaeter sehe ich das Schild in der Hand eines Offiziellen: 36 Punkte und genau 200 Sekunden - ich bin wirklich und wahrhaftig Weltmeister!


Christian und Daniel ergeht es aehnlich wie am ersten Tag, sie erhalten genau die selbe Punktzahl wieder. Christian kann in der Wertung der offenen Kategorie trotzdem noch einen Platz gutmachen und platziert sich sicher in der ersten Haelfte des Feldes. Golfspieler Daniel konnte seine intensiven Erfahrungen mit Abschlagplaetzen, Sandbunkern und manikuerten Gruens leider nicht so umsetzen, wie er es gehofft hatte.

Ergebnisse offene KategorieTeamwertung (paralympische Kategorie)
1. Anne Straube (GER)36 Punkte 200 secs
2. Martin Fredholm (SWE)36 Punkte 225 secs
3. Jari Turto (FIN)

34 Punkte 169 secs

23. Christian Gieseler (GER)26 Punkte 248 secs
53. Daniel Roth (GER)

16 Punkte 386 secs

Ergebnisse beide Tage
1. Litauen29 Punkte 146 secs
2. Finland29 Punkte 208 secs
3. Schweden

27 Punkte 169,5 secs

Ergebnisse Team-Wettkampf









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